Ganz anders: Weihnachten in Ghana

Wie feiern die Menschen Weihnachten in Ghana? Das habe ich mich gefragt, nachdem ich meinen Beitrag über fairafric veröffentlicht habe. Gibt es auch in Westafrika Familientraditionen und Spezialitäten mit besonderer Bedeutung? Gefragt habe ich Sterne-Koch Nelson Müller, König Bansah, der von Deutschland aus den Stamm der Hohoe Gbi Traditional im Osten von Ghana regiert. Und die Kofi Annan Stiftung. Herausgekommen ist ein spannendes, vielschichtiges Bild, kein fertiges. Dazu passend gibt es zwei völlig unterschiedliche Rezeptideen: Ein feiner Kuchen aus Ghana-Schokolade vo Nelson Müller und als Gegenpol einen bodenständigen und nährstoffreichen Süßkartoffelpudding. 

„In Ghana gibt es keine Lichterflut, keine weihnachtlich-winterliche Dekoration in der Adventszeit oder an Weihnachten selbst, wie wir sie aus unseren festlich geschmückten Innenstädten oder aus unseren Wohnräumen in Deutschland kennen“, weiß König Bansah. Er ist im Osten des Landes aufgewachsen und in den 1970er Jahren nach Deutschland gekommen. Bis heute betreibt er hier eine Autowerkstatt und regiert parallel und in engem Kontakt sein Volk, die Hohoe Gbi Traditional – etwa 200.000 Menschen in der Nähe des Voltasees. Erst letztes Jahr hat er Weihnachten in Ghana verbracht.

Alles ist anders, auch wenn es ähnlich aussieht

„Die großen, internationalen Hotels im Land und manche Geschäfte imitieren die europäischen Traditionen“, so König Bansah, „aber in den normalen Haushalten findet man sie nicht. Strom ist teuer und fällt oft für viele Stunden aus. Dann behilft man sich mit Notlichtern – Kerzen, Kerossin oder Solarlampen.“ Diese Lichter sind Alltag, und werden nicht mit vorweihnachtlicher Heimeligkeit in Verbindung gebracht.

Weihnachten in Ghana

Christen und Muslime respektieren einander

„Als Kinder“, erinnert sich König Bansah, „haben wir aus Palmzweigen und Lehm kleine Hütten gebaut und die Figuren Maria, Josef und das Jesuskind geformt. Wir schliefen in diesen selbstgebauten Hütten, aber vorher machten wir Musik mit unseren Trommeln und sangen Kirchenlieder.“ Das Land ist christlich geprägt, die meisten Menschen gehen an Weihnachten mehrmals in die Kirche. Gegenüber anderen Religionen herrscht eine große Akzeptanz. Christliche und muslimische Feiertage sind offizielle Feiertage in Ghana.

Diesen großen, gegenseitige Respekt, erzählt der König, erbringen die Menschen auch gegenüber ihren Eltern, Ahnen und gegenüber den Ältesten – egal ob sie zur Familie gehören oder nicht. Er zeichnet die Menschen seines Landes aus.

Ghanas Küche ist vielseitig, aber schwer zu „exportieren“

Sternekoch Nelson Müller aus Essen ist in Ghana geboren, aber in Deutschland aufgewachsen. Nach 34 Jahren hat er das Land an der Westküste Afrikas vor kurzem das erste Mal wieder besucht. Für den ZDF Lebensmittelreport ist er eingetaucht in das Leben der Kakaobauern. Nur so viel wird verraten: „Mein emotionaler Bezug zu Schokolade, vor allem aus Ghana, hat sich seitdem total verändert.“

Weihnachten in Ghana Nelson Müller

Zwar kreiert Nelson Müller in seinem Restaurant Schote auch Menüs in Anlehnung an afrikanische Traditionen. „Aber in Europa verwenden wir einfach völlig andere Produkte. Die Ghanaische Küche ist super spannend und hat so viele, eigenständige und ausgeklügelte Gerichte. Ich bräuchte wahnsinnig viel Zeit, den kulinarischen Traditionen des Landes und ihren Besonderheiten auch nur ansatzweise auf den Grund zu gehen. Neben typischen Produkten wie Kochbananen, Eggplant – also Auberginen – und kleinen, scharfen Paprikas verwenden die Menschen oftmals Wildkräuter, von denen ich noch nie gehört habe. Und gerade in den ländlichen Gebieten gibt es essbare Flora, die wiederum nicht auf den Märkten in Städten wie Accra oder Tamale zu finden sind.“

Weihnachten Ghana, food, Kochbanane

Weihnachten in Ghana, das bedeutet oft: Satt werden

Nicht nur die Produkte sind anders. Grundsätzlich spielt Essen in Ghana eine ganz andere Rolle als bei uns. „Es geht noch immer vielen Familien um das Sattwerden“ weiß König Bansah, der mit großem Engagement von Deutschland aus kontinuierlich soziale Projekte in seinem Heimatland unterstützt. Das kann die Übernahme von Arztkosten sein oder der Bau von Schulen und Ausbildungszentren.

„An Weihnachten isst die Familie gemeinsam mit den Bewohnern ihres Hofes, ob Verwandten oder Nachbarn. Meist werden die in Ghana beliebten Gerichte wie Fufu, Yam, Maniok, Plantain und Reis gekocht – alles mit viel scharfer Soße und Fleisch oder Fisch – die Menschen in Ghana lieben deftige, scharf gewürzte Speisen.

Gebacken wird kaum

Die Kinder bekommen zwar Bisquits, also süße Kekse. Aber Selbstgebackenes gibt es kaum, da die meisten Haushalte keinen Backofen haben.

Und obwohl Ghana weltweit das zweitgrößte Anbaugebiet von Kakao ist, spielt dieser, noch weniger richtige Schokolade, eine Rolle in der Ernährung der Menschen vor Ort.

Im Interview mit fairafric-Gründer Hendrik Reimers erfährst Du mehr über Schokolade made in Ghana!

Im Trend und in jeder Hinsicht wertvoll: Süßkartoffeln

Ein großes politisches Problem für Ghana, das weiß auch Nelson Müller, ist der Import. Die eigenen Kakaobohnen werden exportiert und teure Schokolade in schlechterer Qualität importiert. Bei vielen Agrarprodukten, auch Mehl, besteht das gleiche Problem, vor allem für die örtlichen Bauern. „Leider führt dieses System zu wenig Arbeitsplätzen.“

Seit Frühjahr 2015 bewerben Nane und Kofi Annan deshalb, und wegen der enorm positiven Gesundheitsaspekte, gemeinsam mit dem International Potato Center (CIP) den Anbau von Süßkartoffeln. „Ghanas Landwirtschaft hat ein unglaubliches Potential, wenn sie selbst produziert“ freut sich Nelson Müller über solche Initiativen.

Die Süßkartoffel ist in dieser Hinsicht ein Alleskönner. Auch in westlichen Ländern ist sie wegen ihrer guten Eigenschaften so beliebt: Sie schützt unsere Zellen und liefert wertvolle, sättigende Kohlenhydrate. In einem Land wie Ghana aber geht es um noch viel mehr: „Der hohe Gehalt an Vitamin A ist ein unschätzbarer Wert für Kinder und Säuglinge, insbesondere in West Afrika und Ghana“ konstatiert Nane Annan, die Frau des ehemaligen Generalsekretärs der Vereinten Nationen. In vielen Gesprächen und speziellen Ernährungsprogrammen werden Frauen und Familien, vor allem in den ländlichen Regionen, über die positiven Aspekte der Süßkartoffel aufgeklärt. „Vitamin A kann sogar gegen Verkrüppelung und Erblindung schützen – beides wird oft durch Mangelernährung ausgelöst“ erklärt die Kofi Annan Stiftung.

Weihnachten in Ghana, Kofi und Nane Annan, Süßkartoffeln

Zahlreiche Unternehmen in Ghana verarbeiten inzwischen die nährstoffreiche Knolle in den verschiedensten Produkten – von Brot über Kekse bis hin zur belieben Westafrikanischen Speise Gari – eine Art Polenta, die normalerweise aus geriebener Maniok-Knolle hergestellt wird.

Je nach Rezept kann bis zu 50 Prozent des Mehlanteils durch Süßkartoffeln ersetzt werden. Das wirkt sich inzwischen positiv auf die gesamte Wirtschaft aus.

Auch in diesem Jahr wird wieder dafür geworben, dass die Süßkartoffel zu Weihnachten in Ghana in ganz vielen Gerichten verarbeitet wird.

König Bansah wird an Heilig Abend auf jeden Fall Süßkartoffeln als Beilage servieren. Eine süße Rezeptidee, die vielleicht in der ein oder anderen Familie zubereitet wird, stelle ich morgen vor.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen schöne und ruhige Feiertage mit viel Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben.

In der Sprache der Ewe: „Mele blunya fe djכgbe nyuie dim na mi“ – Frohe Weihnachten!

Weihnachten in Ghana, König Bansah

Zwei völlig unterschiedliche Rezepte mit Produkten aus Ghana findest Du ab morgen hier!

Picture credits: Titel: Jovi Waqa „Kerzen“ by Gaelle Marcel, Kochbananen: Jovi Waqa
Portraits: Nelson Müller, Kofi Annan Stiftung, König Bansah
Vielen Dank!
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